Schlank, aber schlaff

Der Siegeszug des „Convenience Food“, also verzehrfertiger und häufig kalorienreicher Lebensmittel, ist auch hierzulande nicht mehr aufzuhalten.  

Oft wird die dann noch mit zuckerhaltigen Softdrinks heruntergespült. Und das hat Folgen: Laut Statistik hat sich die Anzahlt der in deutschen Kliniken behandelten Patienten mit krankhaftem Übergewicht von 2010 bis 2015 verdoppelt.

Ein Grund, warum Experten immer nachdrücklicher fordern, die bisherige Prävention auszubauen und bereits in der Schule anzufangen, Kindern gesunde Ernährung näher zu bringen.

Die Liste der Begleiterkrankungen ist lang. Sie schließt Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, Rücken- und Gelenkbeschwerden, steigendes Risiko für Krebserkrankungen, Schlafstörungen und viele weitere lebensverkürzende und die Lebensqualität beeinflussende Beschwerden ein.

In dieser Hinsicht ist also die Bariatrische Chirurgie mit ihren Erfolgsquoten hier präventiv tätig. Buchenwald et. al haben 2009 veröffentlicht, dass bezogen auf den Diabetes die Verbesserung der Diabetischen Stoffwechsellage bei 87% und sogar eine komplette Remission bei 78% der Untersuchten zu verzeichnen war.

Die Zahl der krankhaft übergewichtigen Patienten in Deutschland wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Daher müssen wir uns auch mit der Erhaltung dieser Erfolgsquoten auseinandersetzen, denn der Erfolg der Bariatrischen Operation ist von der Mitarbeit des Patienten abhängig.

Schlagworte wie „big und sweet eater“ lassen erahnen, was jedem Kliniker auch schon vorher bewusst war, nämlich, dass die individuellen Unterschiede im Essverhalten auch den Gewichtsverlust beeinflussen.

Unter den Komorbiditäten findet sich auch die Depression, deren Ursache neben dem Übergewicht vielgestaltig sein kann.

Die eigene Wirkung auf die Außenwelt hat bei den meisten Menschen Einfluss auf das persönliche Erleben.

Somit ist nicht nur die Remission von beeinträchtigenden Komorbiditäten sondern auch die veränderte Erscheinung ein nicht zu vernachlässigender Stabilisator des erreichten Gewichtsverlustes.

Im Rahmen der interdisziplinären Versorgung im Klinikum Ernst-von-Bergmann betreuen wir gemeinsam  mit unseren Kollegen des Adipositaszentrums die Patienten und können uns so im Team dieser Herausforderung stellen.

Die Begleitung der Patienten in dem häufig mehrere Jahre dauernden Prozess der Gewichtsreduktion und anschließender Wiederherstellung der Körpersilhouette ist Ziel unserer Sprechstunden.

Die Plastische Chirurgie ist wie die Bariatrische Chirurgie für die Patienten häufig der letzte Ausweg auf einem langen Weg, der mit dem Wunsch nach nachhaltiger Änderung und Stabilisierung des eigenen Gewichtes und den damit verbundenen Lebensumständen begonnen hat.

Durch das vormals bestehende massive Übergewicht sind die Rückstellkräfte der Haut und Unterhaut erklärbar geschwächt und der Körper ist zumeist nicht in der Lage aus eigener Kraft eine ausreichende Straffung dieses Gewebes zu erreichen.

Folgen davon sind wiederkehrenden Infektionen in den Hautumschlagfalten, die gerade bei vormaligen Diabetikern auch zu komplizierenden Wundheilungsstörungen führen können.

In extremen Fällen kann eine auch mit Kleidung schwer zu kaschierende und zumindest subjektiv empfundene Entstellung resultieren.

Wir beraten in unserer Sprechstunde zunächst ausführlich und stellen Möglichkeiten, Chancen aber auch Risiken dar. Wir klären über Erreichbares sowie unmögliches auf.

Wir zeigen anhand von Bildern Ergebnisse und die möglichen Komplikationen sowie die resultierenden Narben.

Voraussetzung für die Kostenübernahme der Operation durch die Krankenkasse ist eine medizinische Indikation. Diese leitet sich nicht automatisch aus der Bewilligung der vorausgegangenen bariatrischen Operation ab.

Für eine angestrebte Straffungsoperation muss ebenso eine Kostenübernahme der versichernden Krankenkasse eingeholt werden. Im Regelfall werden hierzu die Stellungnahme des Patienten sowie ein ärztliches Attest benötigt.

Im konkreten Fall kann dies bedeuten, dass eine Hautärztliche Behandlung im Rahmen von wiederkehrenden Ekzemen in den Umschlagfalten der Haut kurz schriftlich zusammengefasst wird, wie auch jede weitere ärztliche Behandlung aufgrund des Hautüberschusses.

In unserer Sprechstunde werden klinische Befunde erhoben und diese zusammen mit einer fotografischen Dokumentation als Attest dem Patienten ausgestellt.

All diese Bemühungen haben nicht automatisch zur Folge, dass die Kosten übernommen werden.

Die Vorstellung beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen kann von Nöten sein, ebenso wie ein langes Widerspruchsverfahren von Seiten des Patienten.

Weitere Vorbedingungen sind ein mindestens seit sechs Monaten gehaltenes und stabiles Gewicht mit einem BMI < 32.

Ist dieser Weg abgeschlossen und die Kostenübernahme geklärt, steht bei den meisten Patienten der Wunsch nach einer Bauchdeckenstraffung im Vordergrund.

Aufgrund der üblichen Verteilung von Fettgewebsreserven finden bei Frauen und Männern gleichermaßen im Rahmen von Gewichtsschwankungen ausgeprägte Veränderungen an der vorderen Bauchwand statt.

Somit ist die Bauchdeckenstraffung der am häufigsten durchgeführte Eingriff aus dem Spektrum der Körperstraffungsoperationen.

Wird die Erschlaffung von eine Hernie oder Rektusdiastase begleitet kann diese in der gleichen Operation versorgt und damit die gesamte vordere Bauchwand stabilisiert und ggf. vorhandene Dysbalancen ausgeglichen werden.

An den Armen besteht ebenfalls häufig ein deutlicher Gewebeüberschuss nach massivem Gewichtsverlust. An der Innenseite des Oberarmes erschlafft die zarte und vormals überdehnte Haut.

Die Innenseite der Oberschenkel ist bei vielen Patienten gleichermaßen betroffen, da auch hier bei normaler Fettgewebsverteilung häufig kleine Fettgewebsdepots anzutreffen sind. Bei vorbestehendem Übergewicht mit nachfolgender kurzfristiger Gewichtsreduktion ist die Haut meist nicht in der Lage sich ausreichend zu straffen. Durch Reibung beim Laufen werden die Beschwerden ausgelöst.

Der gesamte Körper kann somit von den umfassenden Veränderungen betroffen sein, was auch den Rücken, die Brust und die gesamte Brustwand einschließt.

Für alle beschriebenen Straffungsoperationen gilt gleichermaßen, dass eine postoperative Heilungsphase von 6-8 Wochen mit körperlicher Schonung und dem 24 Stunden täglichen Tragen von Kompressionswäsche Voraussetzung für das angestrebte Operationsergebnis ist.

Daher müssen nicht nur grundlegende Operationsvoraussetzungen erfüllt sein, sondern der Operationstermin auch mit Umsicht gewählt werden.

In unserer Sprechstunde beraten wir die Patienten individuell ob und wann welche Operation für sie in Frage kommt.

Für Fragen vorab stehen wir ebenso gern zur Verfügung und freuen uns, wenn Sie Kontakt zu uns aufnehmen wollen.