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Ein Erfahrungsbericht von Dany Balke (39), Oberärztin der Thoraxchirurgie über ihren Einsatz auf den interdisziplinär geführten Covid-Stationen des Klinikum Ernst von Bergmann in der zweiten Corona-Pandemiewelle.

Treffen sich ein HNO-Arzt, eine Gynäkologin und ein Orthopäde zur Visite...

„Das könnte der Anfang eines schlechten Witzes sein“, sagte die junge Hals-Nasen-Ohren Ärztin, als ich Mitte Dezember 2020 meinen ersten Frühdienst auf der Covid-Normalstation im Klinikum Ernst von Bergmann antrat. Für gewöhnlich stehe ich jeden Morgen ab 07:00 Uhr in der chirurgischen Frühbesprechung, dann versorge ich thoraxchirurgische Patientinnen und Patienten.

Ab Dezember galt es für mich und dem interdisziplinären Team, täglich 60 - 70 Patienten auf insgesamt drei der eigens eingerichteten Covid-Normalversorgungs-Stationen zu versorgen. Je nach Bettenbelegung der nicht-covid versorgenden Fachbereiche mussten durch diese auf der Covid-Station eine entsprechende Anzahl von Diensten abgedeckt werden – oberärztlich betreut von der Klinik für Infektiologie und der Intensivmedizin. Um der Pandemie zu begegnen, wurde ein kompletter separierter Gebäudeteil des Klinikums Ernst von Bergmann als Covid-Bereich umfunktioniert. Auf insgesamt vier Stationen wurden über den Jahreswechsel bis zu 24 Covid-Intensivpatienten und 70 Covid-Normalversorgungs-Patienten behandelt.  Der Covid-Trakt ist auf jeder Etage über Schleusen mit dem Hauptgebäude verbunden. Im Keller befindet sich neben Umkleiden ein CT-Gerät, im Erdgeschoss die Covid-Intensivstation mit 16 Betten, in der ersten Etage acht Monitorbetten der Covid-IMC-Station, daneben 12 Covid-Normalstationsbetten und darüber nochmal zwei Covid-Normalstationen – alles mit der Möglichkeit zur Erweiterung. Der Covid-Trakt ist verbunden über einen separaten Fahrstuhl. Somit war dieser durch den Zugang über eine kleine Seitentür komplett vom normalen Klinikbetrieb abgegrenzt. 

Der Arbeitsalltag auf der COVID-Station

 

In der Bereichskleidung - wahlweise in dunkelblau oder Brombeere - standen wir uns täglich gegenüber. Eine OP-Haube und eine FFP-2-Maske machten ein Erkennen zur Herausforderung. Ich identifizierte die Kolleginnen und Kollegen anhand der Größe, Gestalt, Stimme und wenn es gut lief auch am Namensschild. Im Patientenzimmer wurden zusätzlich noch Einwegkittel, Einweghandschuhe und Visier getragen. Nun waren wir nicht nur kaum zu erkennen, sondern auch noch kaum zu verstehen. Das Pflegepersonal, das in vielen Fällen schon seit März auf den Covid-Stationen eingeteilt war, trug zu der bereits genannten „Montur“ noch Einweg-OP-Socken und stopfte sich die Hosenbeine tief darin rein. Allerdings glich das auf den ersten Blick eher einem verunglückten Hip-Hop Stil – vor allem, wenn unter der rückwärts aufgesetzten OP-Haube noch kleine Tattoos auf dem Hals sichtbar blieben. Doch auf den zweiten Blick wurde mir bewusst, dass es sich hierbei um Selbstschutz handelte: schließlich vermochte nach wie vor niemand richtig nachzuweisen, wie sich die Viren verteilen und übertragen werden. Diese Schwestern und Pfleger konnten teilweise über ein dreiviertel Jahr eine eigene Ansteckung verhindern und hatten folglich Recht mit ihrer Kleidung - so ungewöhnlich es auch aussah. Unsere Arbeitskleidung sah aus, wie die Orwell´sche Version der Pestmasken. Ich kann den Medizinern von damals neuerdings nachfühlen, denn die wollten auch nur helfen und sich selbst schützen. Der eigene Schutz wurde mit strengen Hygienerichtlinien und mehreren dokumentierten Rachenabstrichen in der Woche gewährleistet. Doch immer dann, wenn sich eine Kollegin oder ein Kollege angesteckt hat, war die Verunsicherung im Team groß. 

Der Höhepunkt der zweiten Welle

 

Die Verteilung der Covid-Patienten wurde im Land Brandenburg überregional über das Versorgungscluster Corona West, kurz VCC-West, geregelt. Hier haben sich 17 Akut-, Fach- und Rehakliniken zusammengeschlossen mit dem Ziel, durch eine koordinierte Verteilung und umsichtige Steuerung täglich alle Covid-Patienten optimal versorgen zu können. Telefonisch konnten die wichtigsten Fragen geklärt und eine Verteilung der Covid-Patienten auf die umliegenden Kliniken erfolgen. 

Die Fallzahlen nahmen im Dezember 2020 rasch zu. Gerade in den Pflegeeinrichtungen, aber auch in ambulanten Dialysepraxen und Tagespflegen kam es zu immer mehr Ausbrüchen. Unser Covid-Bettenkontingent war ausreichend, die Personalbesetzung auch - gerade so. Einer deutlich höheren Anzahl von infizierten Patientinnen und Patienten, wie sie für nach den Weihnachtsfeiertagen befürchtet wurde, hätten wir wahrscheinlich kaum standgehalten.

Die Patientinnen und Patienten waren fast ausschließlich älter als 70 Jahre, der Großteil wurde aus Pflegeheimen der Umgebung eingeliefert - meist mit starken Wesensveränderungen und Luftnot. Einige waren in der Pflegeüberleitung als selbstständig oder selbstversorgend beschrieben, gezeichnet durch die Infektion sahen wir vor allem bettlägerige und kaum in den Kontakt gehende ältere Menschen. Nach Infusion einiger Liter Flüssigkeit klarte das Bewusstsein meistens auf; doch so, wie sie zuvor beschrieben wurden, fanden wir sie trotzdem kaum wieder vor. Ihre Angehörigen hatten sie oft im März das letzte Mal gesehen. Auch in unserem Klinikum blieb das Besuchsverbot bestehen. Lediglich für Sterbende oder lebensbedrohlich Erkrankte wurden Ausnahmen gemacht. Im Aufnahmeprozess muss neben der Anamnese und dem Medikamentenplan auch das Vorliegen einer Patientenverfügung geklärt werden - also der Wille der Patientinnen und Patienten in Bezug auf Reanimationsmaßnahmen und Intensivtherapie. Hier bewiesen sowohl die jungen Kolleginnen und Kollegen als auch die Angehörigen ein extrem hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Akzeptanz.

 

Organisatorische Herausforderungen der interdisziplinären Versorgung

 

Die Versorgung der Patientinnen und Patienten auf der Covid-Normalstation war primär eine organisatorische Herausforderung. Gerade wenn neben der Infektion noch zu behandelnde chirurgische, onkologische oder soziale Probleme vorlagen. Wie bei einer schwangeren Patientin, die, obgleich sie komplett asymptomatisch war und blieb, nicht in ihre Einrichtung zurück konnte, da hier keine Möglichkeit zur Isolation gegeben war. Die Hilfe von Spezialisten aus dem Klinikum war glücklicherweise schnell organisiert und die Kollegen zur Stelle. Sie gaben so viel Unterstützung, wie es ihnen nur möglich war. Ohne die Zuarbeit des Pflegepersonals und der Sozialarbeiter war die Arbeit nicht zu bewältigen. Denn neben den allgemeinen Notwendigkeiten kamen zudem noch aktuelle Rachenabstriche, Infektionstransporte, Versorgung in häuslicher Quarantäne und natürlich die obligatorischen Meldungen ans Gesundheitsamt hinzu.

Klinisch auffällig waren unter anderem die Schwere der Symptomatik gerade von neurologisch Vorerkrankten und deren rasanten Progredienz – also die zunehmende Verschlimmerung der Erkrankung. Demenzielle Syndrome, Spätfolgen nach einem Schlaganfall oder degenerative Erkrankungen schienen unter der Covid-Infektion um Jahre fortgeschritten. Ich erinnere mich an eine Patientin, die an Multiple Sklerose litt und vor ihrer Einlieferung ins Klinikum nur während der Schübe auf einen Rollator angewiesen und sonst völlig asymptomatisch war. Doch bei meiner Visite konnte sie weder sprechen, geschweige denn die Bettdecke ein Stück höher ziehen. Ihr Zustand verschlechterte sich noch an diesem Nachmittag und sie musste auf die Covid-Intensivstation verlegt werden. Es gelang, gefühlt über zwei Drittel der Patienten zu stabilisieren und zurück in ihre privaten Wohnungen zu entlassen. Darunter waren sowohl sehr alte als auch sehr schwer vorerkrankte Menschen. 

 

Der Alltag auf der Covid-Station

 

Dabei verblüfften mich die jungen Kolleginnen und Kollegen jeden Tag aufs Neue mit ihrem Fleiß und ihrer Flexibilität. Keiner beklagte sich über die Arbeit oder die mit der Pandemie einhergehenden Bedingungen; genau wie auch das Team der Pflege empfand man die Situation oft eher als abenteuerlich und sogar als bereichernd, da durch das Zusammentreffen unterschiedlichster Fachrichtungen jeder Horizont erweitert wurde.

Ich war täglich stolz auf der Covid-Station zu arbeiten. Was das gesamte Team jeden Tag geleistet hat, war gut und richtig. Die Klinikleitung und die Stadt Potsdam organisierten für die Weihnachtsfeiertage neben dem täglichen Catering-Angebot, was aus belegten Brötchen und Suppe bestand, zusätzlich Präsentkörbe mit allerlei Naschereien. Auf den Fensterbrettern der Pausenräume stapelten sich die Stollen. Die Patientenzahlen nahmen täglich zu, mittlerweile hatten auch die umliegenden Kliniken ihre Kapazitätsgrenzen erreicht.

Während meiner Schicht an Heiligabend rief mich eine Notärztin an, die am Straßenrand südlich der Stadt seit über einer halben Stunde versuchte, ein Bett für ihren Covid-Patienten zu finden. Sie wollte von mir wissen, ob sie Richtung Potsdam oder woandershin abbiegen sollte. Sie war geschafft und frustriert, wenigstens konnte ich ihr sagen, dass sie direkt ins Klinikum fahren kann, da wir ein Bett frei hatten. Auf meinen Gruß zum schönen Feierabend erwiderte sie nur, dass sie noch einige Stunden vor sich habe - die Kollegin vom Tagdienst hatte sich gerade krankgemeldet.

 

Während die Fallzahlen ihren damaligen Höhepunkt erreicht hatten, wurden im Klinikum die ersten Termine für die Covid-Impfung verteilt. Direkt am 28.12.2020 bekam ich meine Injektion. Hier sah man wieder Gesichter aus allen Abteilungen und allen Ebenen, die sich für den Dienst in der Impfstelle bereiterklärt hatten. Von der Stationsassistentin bis hin zum Chefarzt waren die Posten in der Impfstelle besetzt. Prozess und Ablauf verliefen mehr als reibungslos.

Der Wechsel auf die Covid-Intensivstation

 

Zum Jahreswechsel verabschiedete ich mich von der Covid-Normalstation und trat künftig meinen Dienst auf der Covid-Intensivstation an. „Eigentlich mag ich Intensivtherapie“, sagte eine Kollegin der

Anästhesie zu mir. Wie Recht sie doch hatte – EIGENTLICH mochte ich die Intensivtherapie auch. Die komplette Covid-Intensivstation wurde in die räumliche Struktur einer Normalstation gepresst. Außer an Platz mangelte es aber an kaum etwas: personell und technisch waren wir mehr als großzügig ausgestattet.

Jedes Patientenzimmer verfügte über eine kleine Schleuse und wurde mit einer Kamera ausgestattet. Diese sendete ein Livebild direkt auf einen großen Monitor. Somit wurde in 16 kleinen Kästchen das Geschehen am Patientenbett live für das Behandlungsteam abgebildet. Das Patientenmonitoring im Zimmer wurde ebenfalls auf zwei weiteren großen Bildschirme für die Behandler übertragen. So war man auch außerhalb des Patientenzimmers irgendwie bei den Patienten. Auf den Gängen standen griffbereit zur Verfügung: mobile digitale Visitenwagen vor jedem Zimmer, Hygienecenter für Isolationsklamotten, mobile Defibrillatoren, Intubationswagen, Notfallrucksäcke, Ultraschallgeräte und diverse andere Dinge.


Behandelt wurden auch hier überwiegend ältere Patienten, gefühlt waren weniger als 10 Prozent unter 70 Jahre. Extrem auffällig waren für mich die unnatürlichen Atemmuster der Patienten. Trotz hoher Sedierung kam es zu heftigen Zwischenatmungen. Ganz gleich ob alt oder jung, groß oder klein: unter der Covid-Pneumonie kämpften die Patientinnen und Patienten gegen das Ersticken. Alles, was ich meinte von maschineller Beatmung zu verstehen, war über den Haufen geworfen. Dreifach, auch vierfach Sedierungen, teilweise über die Höchstdosis hinaus verabreicht, konnten einen intrinsischen Atemantrieb nicht unterdrücken. Dies ist bisher nicht verstanden und kann aus medizinischer Sicht noch immer nicht nachvollzogen werden. Tatsächlich schilderten die Kolleginnen und Kollegen von Universitätskliniken, dass auch ihre Patientinnen und Patienten an der extrakorporale Lungenunterstützung – kurz ECMO – kaum von Atemfrequenzen um 30 und absurd hohen Tidalvolumina abzubringen waren. Es fühlte sich an, als würden wir einer Krankheit hinterherrennen und sie mit der Therapie auch noch vorantreiben. Das Lungengerüst veränderte sich, über die Wochen waren die Drücke und Frequenzen oft nicht mehr annähernd auf physiologische Werte zu reduzieren. Behandelte man zu viel mit Steroiden, öffnete man opportunistischen Erregern Tür und Tor. Bildgebungen und endoskopische Befunde waren häufig kaum mit der Klinik in Korrelation zu bringen. Andauernd fragte ich mich, was ich übersehen habe – und das als Fachärztin der Thoraxchirurgie. Den internistischen Kollegen entging kein Laborwert, kein Keimnachweis, keine zweite Kommastelle. Bis ins letzte Detail wurde alles gemessen, abgestrichen und konsiliarisch nachgefragt. Man stand in engem Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen in anderen Häusern, las alle Veröffentlichungen. Jede neue Erkenntnis, jeder Eindruck, der vielleicht zu einer neuen Erkenntnis führen könnte, wurde während der Schichtübergaben mit allen geteilt. Die Visiten waren Marathonläufe in Sorgfalt und Akribie, oft überschritten sie die Schmerzgrenze einer Chirurgin.

 

 

Täglicher Austausch mit Spezialisten

 

Wir lagerten die Patienten auf den Bauch, wochenlang ohne Besserung. Wir passten Antibiotikaregime den aktuellen Keimnachweisen an. Wir bronchoskopierten, tracheotomierten, sonografierten, um den geringsten Fortschritt zu erzielen. Eine kleine Verbesserungstendenz mit Übergang in Spontanatmung und Deeskalation der Sedierung des Patienten bei der Übergabe an den Spätdienst wurde am nächsten Morgen mit Kreislaufverschlechterung und erhöhtem Katecholaminbedarf, wie Adrenalin und Noradrenalin, übergeben. Tägliche Telefonate und Videokonferenzen mit Spezialisten anderer Kliniken bestätigten, dass wir mit diesen Erfahrungen nicht allein waren. Tatsächlich ist die Überlebensrate von maschinell beatmeten Covid-Pneumonie-Patienten gering. In unserem Patientengut noch geringer. Nach oft wochenlanger Intensivtherapie mussten wir immer wieder eingestehen, dass auf keine Heilung zu hoffen war. Die Angehörigen durften immer dann zu Besuch kommen, wenn absehbar war, dass die Mutter, der Vater oder der Partner diese Krankheit nicht überleben wird. Lagen beide Eheleute stationär in unserem Klinikum, wurde der oder die weniger Kranke vor der Intubation des Partners zu Besuch geholt. 

Der Angehörige eines schwer dementen 88-jährigen Patienten, den wir nach vielen zähen Gesprächen bei einem letzten Besuch davon überzeugen konnten, dass eine Intubation nicht sinnvoll ist, verschränkte die Arme über seiner Brust und fragte mich, ob wir denn tatsächlich mehr Todesfälle zu beklagen hatten als bei der letzten Grippeepidemie. Beim Stellen dieser Frage hatte er noch immer die Abdrücke des Visiers auf der Stirn, die er zum Selbstschutz am Krankenbett getragen hatte. Ein anderer Patient, der aus einem umliegenden Krankenhaus zu uns verlegt und bei Ankunft intubiert wurde, verstarb nach der zweiten Reanimation. Als ich der Ehefrau mein Beileid ausdrückte, sagte sie nur Danke. Nichts weiter.

Leichte Entspannung der Situation auf der Intensivstation zum Februar

 

Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob ich auf meine Arbeit stolz sein kann. Ob das richtig war, was ich da gemacht habe, weiß ich nicht. Es wäre definitiv falsch gewesen nichts zu machen – wenigstens so viel ist klar. Ich musste in letzter Zeit oft an Pater Paneloux denken, der in Camus´ „Die Pest“ in seiner zweiten Predigt geläutert sagt: „Es gilt, alles zu glauben oder alles zu leugnen. Und wer unter euch wagte, alles zu leugnen?“ Es gleicht einem Scheitern im Dreischicht-System. „Es fühlt sich an, als arbeiten wir nur noch für den Keller“, meinte eine der Schwestern zu mir. „Ich bin gespannt, was man später über unsere Arbeit sagen wird, wenn die Krankheit besser verstanden ist.“ meinte die internistische Kollegin.

Im Februar konnten wir wieder einige Patienten extubieren oder sie tracheotomiert in andere Einrichtungen zur Entwöhnung von den Beatmungsgeräten verlegen. Die Situation wurde deutlich besser. Außerdem sinken die Patientenzahlen von stationär behandelten Covid-Patienten seit Januar. Die Patientin mit Multiple Sklerose, die ich im Dezember auf die Intensivstation verlegt hatte, liegt mittlerweile an der ECMO in der Uniklinik Berlin und wird seit Mitte Februar davon entwöhnt.


Seit März bin ich zurück auf der Station der Thoraxchirurgie. Ich freue mich auf die Arbeit mit Lungenkrebspatienten. Sie haben zwar oft eine schlechte Prognose, aber das ist immer noch besser als kaum eine. Die Erfahrungen auf den Covid-Stationen möchte ich nicht missen - so schmerzlich sie auch waren. Das Aufarbeiten dessen, was diese Zeit mit mir gemacht hat, bleibt noch offen. Sicher ist, dass ich mich wieder dort einteilen lassen würde, sollte es zu einer dritten Welle kommen. Denn kampflos aufgeben ist keine Option. Und in der Mannschaft, in der ich stand, wurde gemeinsam mit den unterschiedlichsten Fachbereichen um jedes Leben gekämpft. Darauf bin ich auf jeden Fall stolz.

Über die Autorin

Dany Balke, Jahrgang 1981, ist seit Anfang 2020 Oberärztin für Thoraxchirurgie im Department von Chefarzt Dr. Ismail. Vorher war sie vier Jahre in der Lungenklinik Hemer, davor drei Jahre im Fachkrankenhaus Coswig bei Dresden, ebenfalls einer Lungenklinik, tätig. Intensivmedizinische Erfahrungen sammelte sie seit ihrer ersten Anstellung im Herzzentrum Leipzig, wo sie drei Jahre war.