Harvey Cushing

Harvey Cushing (1869 – 1939) war ein US-amerikanischer Chirurg und einer der größten Neurochirurgen des 20. Jahrhunderts.

Er gilt als Begründer der Neurochirurgie, da er die weltweit erste Schule für Neurochirurgie gründete und sich nach seiner chirurgischen Ausbildung ganz der Chirurgie des Zentralen Nervensystems widmete. Dabei verbesserte und perfektionierte er die Operationstechniken und operativen Zugänge und senkte die damals hohe Komplikations- und Sterberate dieser Operationen entscheidend. Er entwickelte eine Klassifikation der Hirntumoren und erhöhte die Sicherheit der Narkosen durch Einführung eines standardisierten Narkoseprotokolls mit Blutdrucküberwachung.

 

Die Herausgeber der Zeitschrift „Neurosurgery" und nahezu 170 Mitglieder der „International Liaison and Advisory Panel" wählten Cushing zum Neurochirurgen des 20. Jahrhunderts (1. Hälfte).

[Mahmut Gazi Yaşargil (* 6. Juli 1925) - 2. Hälfte]

 

Kurzbiographie

  • * 8. April 1869 in Cleveland (Ohio); † 7. Oktober 1939 in New Haven (Connecticut)

  • ab September 1877 College in Yale

  • 1891 – 1895 Medizinstudium an der „Harvard Medical School“ in Boston (Abschluss „cum laude“), dann 1 Jahr Assistenzarzt am „Massachusetts General Hospital“ in Boston

  • 1896 – 1900 Ausbildung zum Chirurgen bei William Halsted (1852 – 1922), dem ersten Professor für Chirurgie in der ersten medizinischen Hochschule „Johns Hopkins University“ in Baltimore

  • 1900 Europareise und Kontakt mit zahlreichen Ärzten und Physiologen in England, Frankreich, Schweiz, Italien und Deutschland

  • bis 1912 klinisch-chirurgische Stelle am Johns Hopkins Hospital” in Baltimore

  • 1912 Moseley Professur für Chirurgie (bis 1932) und Chefchirurg des „Peter Bent Brigham Hospital“ in Boston, an dessen Planung und Aufbau er maßgeblich beteiligt war (bis dahin ca. 330 Hirntumor-Operationen, Gesamtletalität 7,3 % !)

  • Von hieran widmete er sich ganz der Neurochirurgie (mehr als 2000 erfolgreiche Hirntumoroperationen bis 1932), seine neurochirurgische Klinik gewann rasch weltweites Ansehen und zog Ärzte aus aller Welt an.

  • 1932 gab er die Professur in Boston aus Altersgründen ab, übernahm aber eine Professur der Neurologie bzw. der Medizingeschichte an der „Yale Universität“, New Haven, die er bis 1937 vertrat.

  • Das Frühjahr 1915 und 1917 verbrachte Cushing mit einem Ärzteteam in Paris im Dienst der amerikanischen Armee.

Würdigung

  • Begründer der Neurochirurgie

  • 1895 Äthernarkoseprotokoll zur Anästhesie-Verlaufskontrolle mit routinemäßiger Blutdruckmessung

  • seit 1890er Einsatz der Röntgenstrahlen zur Diagnostik

  

  • Die wissenschaftlichen Leistungen Cushings sind sehr vielfältig:

    Hypophysektomie

    Senkung der Operationssterblichkeit von 90% auf 6%

    Einführung der Elektrokauterisation

    histologische Klassifikation der Hirntumoren und Rückenmarkstumoren, Hypophysentumoren (1912), Tumoren der Gehörnerven (1917), Gliome (1926), Physiologie des Schädelinneren, Hirnchirurgie (1926), Hirngefäßtumoren (1928), intrakranielle Tumoren (1932) und vor allem Meningeome (1938 mit L. Eisenhardt)

    Er beschrieb als erster das nach ihm benannte Cushing-Syndrom und trug zur Erforschung der Akromegalie bei. Neben dem Cushing-Verfahren als operatives Verfahren und den Cushing-Clips wurde auch das Cushing-Ulkus nach ihm benannt.

  

  • Cushing teilte die literarischen und bibliophilen Neigungen seines Freundes Sir William Osler und verfasste nach dessen Tod dessen Biographie, die 1926 mit dem Pulitzer-Preis (für Biographien) ausgezeichnet wurde.

  • Harvey Cushing sammelte alte Ausgaben medizinischer Bücher und medizinhistorische Werke und schrieb selbst auch über die Geschichte der Medizin. Er publizierte 13 Bücher und mehr als 330 wissenschaftliche Aufsätze, erhielt 23 Ehrendoktortitel, besaß Präsidentschaften in 7 und Ehrenmitgliedschaften in 60 wissenschaftlichen Gesellschaften und hielt 16 international bedeutende Preisreden.