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Interview mit Anja Köhn, Projektbeauftragte "IdA"

1. Was genau ist IdA?

„IdA“ steht für „interdisziplinäre demenzsensible Akutversorgung“. Das Projekt richtet sich an Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren mit eingeschränkten Alltagsfähigkeiten und Gedächtnisleistungen, die wegen einer körperlichen Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden. IdA wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert und durch das wissenschaftliche Institut AGENON begleitet. Konsortialführer sind die Oberhavel Kliniken, die das Projekt gemeinsam mit den Konsortialpartnern dem Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam und dem Klinikum Niederlausitz umsetzen. Teilnehmende Krankenkassen sind die AOK Nordost, BAHN-BKK sowie die KNAPPSCHAFT. Das IdA-Projekt wird für Versicherte dieser Krankenkassen durchgeführt mit dem Ziel dieses Angebot Versicherten aller gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung zu stellen, sofern die Erreichung der Projektziele wissenschaftlich bestätigt werden kann.

 

Das Projekt verfolgt das Ziel, durch eine veränderte Tagesgestaltung den Krankenhausaufenthalt der teilnehmenden Patientinnen und Patienten positiv zu gestalten. Speziell geschulte Koordinatorinnen und Koordinatoren erstellen nach einem Erstgespräch einen individuellen Betreuungsplan, der die Tagesabläufe strukturiert und verschiedene Maßnahmen beinhaltet. Neben Einzelbetreuung wird auf Wunsch Gruppenaktivität  auf der Station angeboten. Während des gesamten Krankenhausaufenthaltes werden die teilnehmenden Patientinnen und Patienten von den IdA-Tagesbegleitern individuell betreut. Unser Ziel ist die geistige Stabilisierung und der Abbau von Unsicherheiten während des Aufenthaltes in unserem Klinikum. 

 

Sämtliche IdA-spezifischen Maßnahmen werden mit den üblichen Abläufen der Station und der notwendigen Diagnostik und Therapie abgestimmt. Die Hygienebestimmungen und Corona-bedingten Verhaltensregeln im Klinikum werden selbstverständlich berücksichtigt. Die Teilnahme am IdA-Projekt erfolgt nach umfassender Information und Aufklärung der Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen und ist für die Teilnehmenden komplett kostenfrei.

 

Bei Fragen zur Betreuung und zur Abstimmung eines ambulanten Arzttermins nach der Krankenhausentlassung setzen sich die Koordinatorinnen und Koordinatoren des IdA-Projekts mit den nachbehandelnden Ärztinnen und Ärzten unserer Patientinnen und Patienten in Verbindung. Diesen Nachsorgetermin übermitteln wir an die benannten Angehörigen und geben weitere Hilfestellung und Information rund um Fragen zur IdA-Betreuung. Unser Ziel ist eine enge Zusammenarbeit und Ergänzung mit allen Beteiligten, sofern unsere teilnehmenden Patienten damit einverstanden sind. Unsere gesamte Arbeit richtet sich immer nach den individuellen Bedürfnissen unserer IdA-Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

2. Ende November ist das IdA-Projekt im Klinikum EvB gestartet. Wo stehen Sie aktuell?

Wir haben mit der Betreuung der Patientinnen und Patienten auf allen teilnehmenden Stationen des Klinikums begonnen und bereits über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für dieses Projekt gewinnen können. Die Patientenzimmer dieser Stationen wurden u.a. mit Uhren, Bildern und spezieller Lichtführung zur Orientierung in der Nacht ausgestattet. Neben der erweiterten Ausstattung der Patientenzimmer möchten wir auf den teilnehmenden Stationen am Nachmittag zeitnah Gruppenangebote durchführen. Wir arbeiten hier eng mit allen Berufsgruppen auf den Stationen zusammen und unterstützen uns gegenseitig.

3. Wie erleben die Tagesbegleiter / die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter das Projekt? 

Wir wurden von allen Mitarbeitenden des Klinikums interessiert und herzlich empfangen. Durch viel Information und intensiven Austausch ist es uns gelungen, das Projekt bekannt zu machen. „IdA“ erfreut sich mittlerweile einer hohen Akzeptanz im Klinikum. Die Kolleginnen und Kollegen auf den Interventionsstationen nehmen unsere Arbeit mittlerweile als große Hilfe und gezielte Unterstützung wahr. Alle Projektmitarbeitenden können sich im gesamten Klinikum zum Wohl der Patientinnen und Patienten engagiert einbringen.

4. Sehen Sie bereits positive Effekte für die teilnehmenden Patienten?

In Zeiten der begrenzten Besuchsmöglichkeiten ist eine enge Begleitung der teilnehmenden Patientinnen und Patienten wichtig und hilfreich. Da Angehörigenbesuche stark eingeschränkt sind,  versuchen wir auch diese Lücke durch unsere Angebote zu schließen. Wir nehmen uns Zeit für die Patienten, bringen anregende Ideen ein, vermitteln Zuversicht und schaffen eine angenehme Atmosphäre. Das IdA-Team erhält für die geleistete Arbeit viel Dankbarkeit und Anerkennung von den Patientinnen und Patienten. Diese positiven Rückmeldungen sind für die Mitarbeitenden sehr motivierend. Neben diesem „Anker“ während des Krankenhausaufenthaltes vereinbaren wir einen Termin mit dem Hausarzt nach Entlassung aus dem Krankenhaus und stimmen uns immer eng mit den Angehörigen ab, sofern unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer es wünschen. Insgesamt möchten wir als sinnvolle Ergänzung und Hilfe für alle Beteiligten wahrgenommen werden.

5. Was ist der nächste Schritt im Projekt?

Das IdA-Team im Klinikum Ernst von Bergmann ist mittlerweile personell vollzählig. Die Patientenzimmer und teilnehmenden Stationen werden bis Mitte dieses Jahres komplett ausgestattet. Gleichzeitig sammeln wir mit jedem Tag unserer Arbeit zusätzliche Erfahrung und lernen die Abläufe auf den Stationen besser kennen. Ab dem 1. Juli 2021 beginnt die wissenschaftliche Evaluation des IdA-Projekts. Bis dahin ist es unsere Aufgabe, bestmöglich vorbereitet zu sein, auch mit den Herausforderungen der aktuellen Corona-Pandemie. Nach erfolgreichem Abschluss des Projekts und positiven Ergebnissen ist es unser Ziel, diese differenzierte Betreuung zukünftig allen Patientinnen und Patienten mit kognitiven Einschränkungen im Rahmen der Regelversorgung anbieten zu können.