Hirnmetastasen

Die meisten Hirntumore sind in der Tat keine hirneigenen Neubildungen, sondern stammen ursprünglich von einem bösartigen Primärtumor ab, der zunächst in einem anderen Organ entstanden ist. Zellen dieser Primärtumore können im Krankheitsverlauf über Blut- oder Lymphgefäße in andere Körperregionen gelangen und dort neue Ansiedlungen bilden - sogenannte Metastasen. Tatsächlich sind Hirnmetastasen bis zu 5x häufiger als hirneigene Tumoren und stellen somit ein häufiges Krankheitsbild in der Neurochirurgie dar.

 

Prinzipiell können sämtliche Krebsformen Hirnmetastasen bilden. Besonders häufig treten sie jedoch bei Patienten mit Lungen-, Brust-, Magen-Darm-Krebs oder dem schwarzen Hautkrebs auf als Ausdruck einer bereits fortgeschrittenen Krebserkrankung.

 

Das klinische Bild beim Vorliegen von Hirnmetastasen kann sehr vielfältig sein. Je nach Lage der Tumoren im Gehirn können diverse neurologische Ausfälle auftreten wie Sprachstörungen, Lähmungen oder Störungen der Sensibilität. Sie können auch epileptische Anfälle verursachen. Manchmal fallen Hirnmetastasen durch Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf.

 

Hirnmetastasen kommen am besten im MRT zur Darstellung, wo sie klassischerweise ringförmig Kontrastmittel anreichern (dies tun aber auch andere Raumforderungen im Gehirn). Hirnmetastasen können einzeln vorliegen, aber auch mehrere Herde sind möglich. Die Planung der Therapie erfolgt individuell nach Besprechung des jeweiligen Patienten in einer interdisziplinär besetzten Tumorkonferenz und ist abhängig von diversen Faktoren wie der Beschaffenheit des Primärtumors, der Anzahl, Lage sowie Größe der Metastasen, deren operativer Zugänglichkeit und auch des Allgemeinzustandes des jeweiligen Patienten.

 

Ist eine operative Entfernung sinnvoll, so schließt sich in den meisten Fällen eine Bestrahlung an, welche das Wiederauftreten derselben Metastase oder die Bildung weiterer Metastasen im Gehirn verlangsamt. Alternativ zur neurochirurgischen Resektion können radiochirurgische Methoden zum Einsatz kommen wie das Gamma-Knife. Medikamentöse Therapien (Chemotherapie, Immuntherapie) richten sich grundsätzlich nach dem Primärtumor und gewinnen für die Behandlung von Hirnmetastasen zunehmend an Bedeutung.