Intrakranielle Blutungen

Intrakranielle (lateinisch intra innen; cranium Kopf) Blutungen treten auf als Unfallfolge (Schädel-Hirn-Trauma) oder ohne äußere Einwirkung bei 20% der Schlaganfälle, bei Gerinnungsstörungen oder Störungen der Blutgefäße (Aneurysmen, AVMs). Sie werden unterteilt nach anatomischer Lage und Alter, wie im Folgenden anhand einiger Beispiele erläutert.

 

Akutes Subduralhämatom

Ein akutes Subduralhämatom bildet sich als Unfallfolge entweder durch Abriss von Brückenvenen unter der harten Hirnhaut (Dura) und über der Spinngewebshaut (Arachnoidea) oder als Folge einer Verletzung der Hirnoberfläche im sogenannten Subduralraum. Je nach Größe des Hämatoms und Zustand des betroffenen Patienten kann eine schnelle operative Eröffnung des Schädels mit Entlastung dieser Blutung erforderlich sein, um eine Schädigung des Gehirns durch Druck zu verhindern. Bei geringer Ausprägung der Blutung kann sich bei neurologisch stabilen Patienten die Blutung auch im Verlauf von allein zurückbilden.

 

Chronisches Subduralhämatom

Chronische Subduralhämatome treten öfter nach Bagatelltraumen auf. In der Hälfte der Fälle erinnern sich die Patienten gar nicht daran, sich den Kopf gestossen zu haben. Auch hier kommt es anfangs zu einer akuten venösen Blutung zwischen der harten und weichen Hirnhaut, also einem kleinen akuten Subduralhämatom (s.o.). Dieses kann sich v.a. bei älteren Leuten manchmal unbemerkt über einige Wochen vergrößern und wie ein Bluterguss abkapseln – die Blutung chronifiziert. Irgendwann bekommen die Patienten Symptome wie Kopfschmerzen, Erbrechen und neurologischen Störungen wie Sprachprobleme, Halbseitenlähmung oder Taubheitsgefühle. Im Gegensatz zum akuten Subduralhämatom, ist das chronische Subduralhämatom flüssig und sieht aus wie Motoröl. Daher kann man es meistens über ein oder zwei kleine Bohrlöcher eröffnen und mittels einer Drainage ablaufen lassen. Trotz Operation neigen chronische Subduralhämatome in 10-15% der Fälle zum Rezidiv, d.h. sie treten über einige Wochen wieder auf und müssen erneut operiert werden.

 

Epiduralhämatom

Beim Epiduralhämatom, welches viel seltener vorkommt als das akute Subduralhämatom, liegt die Blutung zwischen dem Schädelknochen und der harten Hirnhaut (Dura). Dabei blutet i.d.R. eine die Hirnhaut versorgende Arterie und durch das Volumen wird Druck direkt auf das Gehirn ausgeübt. Diese Art der Blutung muss in vielen Fällen schnell operativ entlastet werden.

 

Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall)

Bis ungefähr 20% aller Schlaganfälle werden durch eine Hirnblutung verursacht. Durch die direkte Einblutung in das Gehirn wird die Funktion gestört. Somit können beim hämorrhagischen (bedeutet blutigen) wie auch beim ischämischen (bedeutet durch Sauerstoffmangel bedingten) Schlaganfall z.B. Sprachstörungen oder eine Halbseitenlähmung verursacht werden. Risikofaktoren sind vor allem hoher Blutdruck, Erkrankungen der Gefäße (auch durch Rauchen) und Störungen der Blutgerinnung wie z.B. auch durch blutverdünnende Medikamente herbeigeführt. Je nach Größe, Lage und Entwicklung der Hirnblutung kann eine Operation zum Entfernen der Blutansammlung (des Hämatoms) notwendig werden, um das Leben des Patienten zu retten. Bereits geschädigtes Hirngewebe kann durch eine Operation aber nicht repariert werden und die Verbesserung bereits eingetretener neurologischer Ausfälle ist vornehmlich durch die Anschlussrehabilitation bestimmt.

 

Subarachnoidalblutung

Diese besondere Form der intrakraniellen Blutung zwischen Gehirn und Spinngewebshaut (Arachnoidea) ist i.d.R. durch eine Blutung aus einem Aneurysma verursacht und an anderer Stelle erklärt.