Rekonstruktive Verfahren am Schädel

Der Begriff Kranioplastik bezeichnet die operativen Verfahren zur Wiederherstellung der Kontinuität des Schädels durch Verschluss oder Reparatur eines Defektes oder einer Deformität. Gründe für einen solchen Defekt können Unfälle sein bei denen der Schädelknochen (Kalotte) verletzt wird. Andere Gründe sind akute, krankhafte Prozesse im Schädelinneren (Blutung, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma) bei denen der Neurochirurg einen Teil des Schädelknochens operativ entfernen muss, um z.B. erhöhtem Hirndruck durch eine Schwellung entgegenzuwirken. Der Kalottendefekt wird nach dem Abklingen der Akutsymptomatik und der Schwellung zum Schutz des Gehirns und aus kosmetischen Gründen wieder verschlossen. In den meisten Fällen erfolgt dieser Wiederverschluss nach zwei bis drei Monaten. Das Kalottenfragment oder die Implantate werden am Knochenrand mit speziellen Klemmen oder kleinen Lochplatten und Schrauben fixiert.

 

1) Autologe Kranioplastik

Bei diesem Verfahren wird der zuvor entnommene, patienteneigene (autologe) Kalottenteil zum Wiederverschluss des bestehenden Defektes genutzt. Das Verfahren wird angewendet, wenn ein Teil des Schädelknochens aufgrund einer akuten Erkrankung als Ganzes entfernt werden konnte. Das Kalottenfragment wird bis zum Wiedereinsetzen unter sterilen Bedingungen bei -70°C konserviert.

 

2) Heterologe Kranioplastik

In einigen Fällen kann der eigene Knochen des Patienten nicht mehr für den Defektverschluss verwendet werden. Zum Beispiel wenn der Knochen nach einem Unfall in sehr kleine Teile frakturiert ist oder er im Rahmen einer offenen Verletzung bakteriell kontaminiert wurde. Es stehen, je nach Anwendungsbereich, unterschiedliche (heterologe) Kunstmaterialen zur Verfügung. Dazu gehören individuell angefertigte Implantate (CAD) aus Polmerverbindungen, aus Keramik und aus Knochenzement.

 

2.1)   CAD-Kranioplastik

Bei großen Defekten, zum Beispiel nach einer Hemikraniektomie (fast vollständige Entfernung des halben Schädelknochens), werden bevorzugt individualisierte Implantate verwendet. Diese werden anhand von hochauflösenden CT-Scans von spezialisierten Medizintechnikanbietern erstellt. Der behandelnde Neurochirurg kann bei Bedarf an einem digitalen Vorabmodell Änderungen vornehmen.

 

2.2.)   Knochenzement-Kranioplastik

Bei kleineren Defekten werden Implantate aus schnell härtendem Knochenzement genutzt. Diese werden direkt im OP-Saal in den Defekt eingearbeitet.