Spinale Gefäßmissbildungen

Sowie es unterschiedliche angeborene und erworbene Gefäßmissbildungen am und im Gehirn gibt, so kann auch das Rückenmark, welches ebenfalls Teil des zentralen Nervensystems ist, von diesen betroffen sein. Von allen spinalen Gefäßmissbildungen, die mitunter kompliziert aufgebaut sein können, möchten wir beispielhaft die Arteriovenöse (AV)-Fistel erläutern (s. auch Bild unten).

 

Überall im Körper findet der Transport des sauerstoffreichen Blutes von den Hochdruck-Arterien in kleine Arterien und schließlich in die Kapillaren statt. Im Körpergewebe (z.B. im Rückenmark) sammelt sich das sauerstoffarme Blut in kleinen Venen, welche es wiederum zu größeren Venen mit niedrigem Druck führen. Bei einer AV-Fistel besteht ein angeborener Kurzschluss zwischen einer Arterie und einer Vene, d.h. ohne ein Kapillarnetz dazwischen. Somit wird eine Vene, in welcher normalerweise sauerstoffarmes Blut mit niedrigem Druck fliesst, mit sauerstoffreichem Blut mit hohem Druck befüllt. Im Bereich des Rückenmarks führt dies zu einem Rückstau im venösen System, d.h. andere kleine Venen können ihr Blut nicht mehr in die Fistel-Vene abfliessen lassen. Durch diesen Rückstau kommt es zu einer vermehrten Flüssigkeitsansammlung im Rückenmark, welche Funktionsstörungen verursacht. Im Extremfall kommt es relativ plötzlich zu neurologischen Ausfällen und dieses Phänomen ist als Foix-Alajouanine-Syndrom bekannt ist. Die Therapie besteht aus einem Verschluß des arteriellen Fistel-Gefässes mittels eines Katheters oder einer mikrochirurgischen Operation unter Zuhilfenahme von Indocyaningrün. Die Prognose kann in vielen Fällen erstaunlich günstig sein.

 

A & B: Die Pfeile zeigen eine spinale AV-Fistel.

C: In der Angiographie wird die AV-Fistel (*) noch besser dargestellt.

D: Intraoperative Darstellung der AV-Fistel

E: Indocyaningrün-Darstellung nach Clipping.

 

"Reprinted from Joswig et al., Rapid Recovery from Paraplegia in a Patient with Foix– Alajouanine Syndrome, World Neurosurgery, 2017; 97: 750.e1-750.e3., copyright 2020 with permission from Elsevier "